Nachgefragt
Im Gespräch mit Sophia Both - Mit Praktikum zur Fachhochschulreife

Ich war auf dem Gymnasium und hätte noch ein Jahr bis zum Abschluss des G8-Abiturs gebraucht. Der Unterricht fiel mir jedoch nicht leicht, sodass ich mich dazu entschlossen habe nach der elften Klasse die Schule zu verlassen und stattdessen ein einjähriges gelenktes Praktikum zu machen. Damit erlange ich die Fachhochschulreife und könnte anschließend sogar an einer Fachhochschule studieren. Ein Unternehmen zu finden, das ein einjähriges Praktikum anbietet, ist nicht so leicht. Ich hatte das Glück, dass meine Schule Kontakte zu dem Unternehmen Würth Industrie Service im Nachbarort hatte, sodass ich trotz einer späten Bewerbung noch einen Praktikumsplatz bekommen habe. Ich wollte zwar eigentlich ins Marketing, aber letztlich wurde es dann der Vertrieb, weil im Marketing keine Stelle mehr zu haben war.

Nachgefragt Sophia Both

An Umstellung gewöhnen

In meiner bisherigen Praktikumszeit habe ich schon einiges gelernt: Ich schreibe Angebote für die Kunden und weiß bereits, wie ich ein gutes Kundentelefonat führe. In unserem 14-köpfigen Team sind auch zwei Ausbilder, die ich jederzeit fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe. Auch die Kollegen sind alle sehr hilfsbereit, wir helfen uns gegenseitig. Neu für mich war, dass ich den ganzen Tag am Computer arbeite. Das ist natürlich etwas anderes als der Schulunterricht und die Hausaufgaben. Auch die 40 Stunden Wochenarbeitszeit, von halb acht morgens bis 17.15 Uhr am Nachmittag, waren erstmal eine Umstellung für mich. Aber das praktische Arbeiten gefällt mir auf jeden Fall besser als die Schule.

Ich denke, das einjährige Praktikum ist eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob mir diese Arbeit wirklich Spaß macht. In einem kurzen Schülerpraktikum erhält man ja nicht so einen tiefen Einblick in die Arbeitswelt. Wenn ich nach einem Jahr eine Ausbildung anfangen will, ist es sicherlich von Vorteil, schon so viel Praxiserfahrung gesammelt zu haben. Zeit verliere ich ja nicht - mit der Schule wäre ich ebenfalls in einem Jahr fertig gewesen. Vielleicht beginne ich nach dem Praktikum ein Studium, aber das habe ich bislang noch nicht entschieden.

Viele neue Erfahrungen

Was ich persönlich für mich mitnehme? Das Arbeiten mit den Kollegen ist anders als in der Schule. Ich muss mehr selbstständig machen und entscheiden, es wird weniger vorgegeben als in der Schule. Mein Tipp für alle, die sich auch für ein Jahrespraktikum entscheiden: Man sollte offen sein für alle Aufgaben, die auf einen zukommen, auch wenn es nicht exakt der Wunschberuf ist. Man lernt auf jeden Fall etwas dazu und macht viele neue Erfahrungen. Die Entscheidung, von der Schule abzugehen, war nicht leicht. Aber ich bereue es nicht, sondern freue mich stattdessen, dass ich in den nächsten Monaten noch viel neues lernen werde.

Quelle:
Trendence Institut GmbH
https://www.schuelerbarometer.de/schule-und-dann/ueberbruecken/erfahrungsberichte/praktikum/sophia-both.html