Von Manfred Stockburger
Mergentheim Industriesparte von Würth wächst rasant - Café Waldeck ist jetzt das Würth-Haus
Als Reinhold-Würth-Haus beginnt für das geschichtsträchtige Café Waldeck in Bad Mergentheim ein neuer Lebensabschnitt.
In besseren Zeiten war das Café Waldeck das Aushängeschild der Kurstadt Bad Mergentheim. Zur Einweihung vor 100 Jahren hatte sich
der württembergische König Wilhelm II. angesagt. Dass er dann doch nicht kam, ist eine andere Geschichte. In seinem neuen Leben
heißt das Haus hoch über dem Taubertal nach dem Schraubenkönig Reinhold Würth, der das nach 15 Jahren Leerstand vollkommen zerfallene
Anwesen wieder aufbauen ließ - als gute Stube und Kommunikationszentrum für die in Bad Mergentheim ansässige Industrie-Sparte.
2,5 Millionen Euro investierte das Unternehmen in das neue Schmuckstück, dessen Gestaltung sich an den früheren Jugendstilbau
anlehnt. Im Gegensatz zum König ließ sich Würth die Einweihungsfeier nicht entgehen.
Großbaustelle auf dem Drillberg in Bad Mergentheim: Die Industriesparte von Würth erweitert ihr Hochregallager.
Das Geschäft mit Industriekunden ist im vergangenen Jahr um 25 Prozent gewachsen.
Erweiterungsbau
Vom Balkon aus haben die Besucher des Reinhold-Würth-Hauses den Drillberg auf der gegenüberliegenden Seite des
Taubertals im Blick, wo die Firma ein früheres Bundeswehrareal Zug um Zug erschließt und in ein leistungsfähiges Logistikzentrum
ausbaut. Zurzeit entsteht ein zweites großes Hochregallager, das die Lagerkapazität auf 56 000 Palettenstellplätze verdoppeln soll.
Das Investitionsvolumen liegt bei 7,5 Millionen Euro. Nächstes Frühjahr soll die Anlage in Betrieb genommen werden.
Vom Gelände der früheren Deutschordenskaserne aus aus werden Kunden in ganz Europa beliefert.
Erst vor acht Jahren war die gerade verselbstständigte Sparte des Konzerns - die Würth Industrie Service versorgt Industriebetriebe
mit Kleinteilen und liefert sie bis ans Band - mit zwei Dutzend Mitarbeitern nach Bad Mergentheim gezogen. Aus dem
kleinen Pflänzchen ist inzwischen ein Unternehmen mit aktuell über 600 Beschäftigten geworden - das Durchschnittsalter liegt
bei 29 Jahren. Im Laufe des Jahres sollen mindestens 50 weitere Arbeitsplätze hinzukommen, sagt Geschäftsführer Rainer
Bürkert. Bis 2010 soll die Belegschaft auf knapp 800 angewachsen sein.
Bereits jetzt ist die Würth-Gruppe zum zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt Bad Mergentheim avanciert. Neben Würth Industrie sitzt
im Gewerbepark auf dem Drillberg auch die IT-Sparte. Insgesamt arbeiten in Bad Mergentheim inzwischen 850 Würth'ler. Im
Zuge der Einweihung des Reinhold-Würth-Hauses revanchierte sich die Stadt mit der Umbenennung der Zufahrtsstraße in Reinhold-Würth-Straße.
Ohne unternehmerische Vorleistungen der gibt es im Würth-Konzern Investitionen wie den Umbau des ehemaligen Cafés
nicht. Die hat das Würth-Industrie-Team in Form von steil wachsenden Umsätzen gebracht: Allein im vergangenen Jahr haben
die Kanban-Spezialisten den Umsatz nach vorläufigen Angaben um 25 Prozent auf 161,5 Millionen gesteigert. Die
Kundenliste ist beeindruckend: So setzt der Baumaschinenhersteller Liebherr auf die Hohenloher, aber auch regionale Firmen
wie EBM-Papst, Wittenstein oder R. Stahl. Bis 2010 hat sich Geschäftsführer Rainer Bürkert die Ausweitung des Geschäfts um
weitere 100 Millionen Euro vorgenommen.
Engpassfaktor Personal Zum Engpassfaktor entwickelt sich derweil die Suche nach Mitarbeitern. "Es ist schwierig, in den
Logistikberufen qualifizierte Leute zu bekommen", sagt Wolfgang Rampmaier, der bei Würth weltweit Verantwortung für die
Industrie-Sparte trägt. "Wir müssen die Menschen überzeugen, dass Logistik etwas ist, wo man den Kopf in vollem Umfang braucht."
Auch in der Ausbildung ist die Firma deswegen sehr aktiv: Im laufenden Jahr soll die Zahl der Auszubildenden von 45 auf 60
gesteigert werden.
Weltweit ist die Industriesparte laut Wolfgang Rampmaier mittlerweile in 33 Ländern aktiv, zuletzt sind Gesellschaften in
Brasilien, Südafrika, China und Indien hinzugekommen. Die 2300 Beschäftigten hätten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 506 Millionen
Euro erwirtschaftet, was einem Wachstum von 16 Prozent entspricht.