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Versand aus dem Karussell

SSI Schäfer Noell installiert Schäfer Carousel System (SCS). Als Sequenzierungspuffer sorgt das hochdynamische und vollautomatische Umlaufsystem bei der Würth Industrie Service GmbH & Co. KG künftig für eine weitere Steigerung von Prozessqualität und -sicherheit im Warenausgang.

Einen Auftrag der besonderen Art realisiert als Generalunternehmer die SSI Schäfer Noell GmbH, Giebelstadt, gegenwärtig bei der Würth Industrie Service GmbH & Co. KG in Bad Mergentheim. "Zur weiteren Optimierung unseres Logistik-Zentrums setzen wir auf eine dynamische, Waren bewegende Lageranlage", erklärt Frank Freudenberger, Leiter Kanban-Logistik bei Würth Industrie Service. "Damit können wir die vorhandenen Platzverhältnisse optimal nutzen, ein großes Artikelspektrum auf engstem Raum puffern und zugleich die bestehende Förderanlage entlasten." Den Zuschlag für Konzeption und Installation eines entsprechend hochdynamischen Umlaufsystems erhielten die Lagertechnik-Spezialisten aus dem Frankenland. Die Entscheidung von Würth fiel auf eines der neuen, vollautomatischen Schäfer Carousel Systeme (SCS), die die SSI Schäfer Gruppe erstmals im vergangenen Herbst auf der Fachausstellung Logistica 03 in Graz öffentlich präsentierte. Besonderheit des Auftrags: Die spezielle Konfiguration des Systems. In Bad Mergentheim wird das gemeinsam mit dem Kunden auf dessen Anforderungen zugeschnittene Karussellsystem als neuartiger, hochleistungsfähiger Lager- und Kommissionierpuffer eingesetzt.

Herkömmliche Karussellsysteme - ausgestattet mit Lagergassen und eventuell einer Hebebühne - gelten als eher langsame Ordnungs- und Lagersysteme. Daher wäre eines der gegenwärtig am Markt üblichen, Personal bedienten Systeme, bei denen Kommissionierer die Waren direkt in die Karussell-Lagerfächer aus- beziehungsweise ein lagern, für das bei Würth geforderte Aufgabenspektrum kaum geeignet. Zur Realisierung der erwarteten deutlichen Produktivitätssteigerung baut Würth deshalb auf das SCS von SSI Schäfer . Das vollautomatische SCS verbindet die Vorteile von kompakten Umlaufsystemen mit denen weiterer Automation. So bietet das SCS bei Würth zugleich sehr hohe Beschleunigung und Geschwindigkeit bei gleichzeitiger Lagerung auf engstem Raum.

Denn die SCS von SSI Schäfer werden - ähnlich wie ein automatisches Kleinteilelager - von vollautomatischen so genannten Hebern mit Lastaufnahmemitteln bedient. Auf diese Weise können Kommissionierer über einen Fördertechnik-Kreislauf an jeder beliebigen horizontalen oder vertikalen Stelle mit Kommissionieraufträgen versorgt werden. Damit haben die bei Würth Mitte des Jahres als Kommissionier- und Produktionspuffer in Betrieb gehenden Umlaufförderer das Prinzip Ware zum Mann konsequent und vollständig umgesetzt. Dabei bieten die Systeme zugleich ein hohes Maß an Flexibilität, optimale Verfügbarkeit und schnelle Bearbeitung hoher Durchsätze.

Seit 1999 steht das Tochterunternehmen der Würth-Gruppe eigenständig im Markt. Als Systemlieferant und Dienstleister versorgt das Unternehmen rund 8.000 Kunden aus der Industrie mit C-Teilen. Dabei übernimmt Würth Industrie Service in Abstimmung mit mehr als 1.300 Lieferanten nicht nur die Beschaffung und Lagerung der Kleinteile. Mit kundenspezifischen Versorgungskonzepten für Verbrauchsmaterialien sorgt der Dienstleister bei seinen Auftraggebern auch für deutliche Rationalisierung der Prozesse in den Bereichen Einkauf, Logistik und Qualitätssicherung. Mehr als 115.000 Artikel - Verbrauchsmaterialien für den Produktionsbedarf, Kleinteile und Montagematerial für den Anlagenbau sowie Betriebsmittel für den Wartungsbedarf - sind in dem mehr als 30.000 Quadratmeter großen Kanban-Logistik-Zentrum am Standort Bad Mergentheim vorrätig. Nachdem die Produktionsanlagen mit dem Bau einer neuen Lagerhalle und Installation moderner Kanban-Logistik inzwischen optimal organisiert sind, soll das SCS nun die Produktivität der Auftragszusammenstellung und Sortierung im Warenausgang von Würth erhöhen.

Hintergrund für die Entwicklung des neuen SCS war zum einen die Erkenntnis einer zunehmenden Atomisierung von Auftrags- und Losgrößen. Zum anderen ist gerade im Kleinteilebereich der effiziente "Griff aus der Kiste" bei beliebigem Artikelspektrum nur mit der Hand des Menschen realisierbar. Dem entsprechend zielt die SSI-Neuentwicklung auf eine weitere Optimierung des Kommissionierprinzips Ware zum Mann. So besteht das kompakte SCS in der Standardversion aus vier Karussells mit bis zu 6.000 Behälterplätzen. In vertikalen und/oder horizontalen Kreisläufen können aus den vier Gassen über je einen Heber mit Lastaufnahmemittel pro Stunde insgesamt bis zu 1.000 Doppelspiele, Behälterein- und -auslagerungen, erfolgen - ein etwa doppeltes Leistungsvermögen gegenüber marktüblichen Systemen.

Vorteile, die auch die Entscheider bei Würth schnell überzeugten. Dort kommen die vier Karussellspeicher allerdings weniger als Kommissioniersystem, sondern als Sequenzierungspuffer zum Einsatz. Als spezielle Lösung für die Auftragszusammenstellung und Sortierung im Warenausgang wird das SCS im Kanban-Logistik-Zentrum von Würth direkt in den vorhandenen Materialflussprozess integriert. Dort bietet es maximale Stellplatzkapazität auf kleinstem Raum: 3.800 Stellplätzen stehen Würth mit dem kompakten System zur Verfügung. Ergänzend zum direkten Warenausgang werden die über 1-2 Tage verteilten Aufträge darin als Kommissionierungen gepuffert. Auf diese Weise kann im Warenausgang zum einen auf Flächen verbrauchende Sortierbahnen verzichtet werden. Zum anderen lassen sich nun Gesamtaufträge sequenziert, also nach der tatsächlich geforderten Kundenreihenfolge, abrufen. Dabei sind die Abrufzyklen jederzeit frei wählbar; die Zusammenstellungen der Aufträge und deren Reihenfolge lassen sich überdies auch nachträglich flexibel verändern.

Eingelagert sind die Artikel bei Würth auf Kunststofftablaren. Bei Abruf der jeweiligen C-Teile erfolgt über die systemimmanenten Rundläufe eine vollautomatische Auslagerung von bis zu 1.000 Tablaren pro Stunde. Schließlich erfolgt die übergabe der gewünschten Artikel an einen von vier so genannten Bahnhöfen. Dort erfolgt die Bedienerführung automatisch über das ebenfalls von SSI Schäfer Noell installierte Lagerverwaltungssystem "ant". Mit "ant" sind zudem alle Informationen des SCS wie etwa Zugangsdaten, Füllgrad und spezielle Lagerparameter jederzeit verfügbar. Damit besteht eine optimale Basis für durchgängige Bestandsverwaltung, permanente Inventur und eine Vielzahl statistischer Erfassungen.

Weiteres Plus der Lösung: Trotz erheblicher Einsparung von Bereitstellungsflächen kann bei Würth eine zusätzliche manuelle Sortierstufe für die Palettierung entfallen. Die Verdichtung des Lagervolumens führt durch den Fortfall von Wegezeiten und Fördermitteleinsatz zudem zu deutlichen Einsparungen im Transportbereich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das SCS temporär auch zur Vorhaltung von Leergut für die Kommissionierung zu nutzen. Als zusätzliche Option kann das System überdies leere Artikel-Tablare vollautomatisch in die bestehende Fördetechnik zurückführen. "Mit dem Einsatz des leistungsstarken Schäfer Carousel Systems erwarten wir ab Mitte des Jahres eine deutliche Produktivitätssteigerung im Warenausgang", fasst Freudenberger zusammen. "Die Vorteile des rechnergestützten Systems sehen wir neben dem innerbetrieblichen Nutzen vor allem auch in seinem Beitrag für den weiteren Ausbau unserer Kundenorientierung."

Erschienen in:

  • Hebezeuge und Fördermittel, Ausgabe 06/2004
  • MaschinenMarkt Logistik, Ausgabe 03/2004
  • Dispo - Magazin für Produktion, Logistik, Lager- und Fördertechnik/Österreich, Ausgabe Juni 2004

www.ssi-schaefer-noell.com

www.wuerth-industrie.com



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